In der ZEIT habe ich gerade die Geschichte von Fatou gelesen, des ältesten Gorillas der Welt. Fatou, ein Weibchen, wurde 1959 in den Wäldern Zentralafrikas geboren, eingefangen und über eine französische Tierhändlerin im selben Jahr an den Berliner Zoo weitverkauft. Vielleicht hätte ich unter normalen Umständen weitergeblättert, aber ich bin für einen Kurzurlaub in einem Hotel und habe Zeit. In einem sehr schönen Hotel, um genau zu sein, mit Wellnessbereich und parkähnlichem Außengelände, wo ich nach dem Saunagang nur spärlich bekleidet unterwegs bin. Das Hotelrestaurant hat am heutigen Weißen Sonntag tausend Gäste, die sich nach ihrem üppigen Mahl im öffentlichen Gartenbereich verlustieren und neugierig zu mir herübersehen. Dass sie zu mir schauen, sage ich nicht aus Eitelkeit – ich bin gerade tatsächlich der einzige Saunagänger draußen. Mädchen in weißen Kommunionkleidern, Damen in Kostümen und Herren in dunklen Anzügen glotzen mich an, der ich nur eine schäbige Badehose entgegenzusetzen habe.
Ich verschwinde rasch im kleinen Pool, merke allerdings schnell, dass auch der von außen einsehbar ist, als eine Frau mit Hut über das Gatter zu mir hereinlugt. Auf dem Kiesweg palavert eine Gruppe auf Französisch und deutet in meine Richtung. Bin ich etwa ein Pinguin im Bassin?
O Fatou – was hat man dir angetan!