Ist die noch zu haben
…
OK Wan Kan man die holen
…
OK so 19 Uhr
…
OK bis nacher
…
Ent schultigun Es Wirt zirga 19.30uhr
…
Wir sind under Wegs
(Aus einer Korrespondenz auf „Kleinanzeigen“)
Ist die noch zu haben
…
OK Wan Kan man die holen
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OK so 19 Uhr
…
OK bis nacher
…
Ent schultigun Es Wirt zirga 19.30uhr
…
Wir sind under Wegs
(Aus einer Korrespondenz auf „Kleinanzeigen“)
Es lag was Totes auf der Straße
‘ne überfahrne Ratte, glaub ich
Werden die Viecher unvorsichtig?
Sind Flötentöne in der Luft?
Wie war das doch ein schöner Traum,
drei Wochen hing sie nun am Baum,
es war ‘ne große Rote, Fette,
sie glänzte, strahlte um die Wette,
sie brachte Freude und war heiter,
so geht es, dachte sie, nun weiter.
Dann kam die kalte, dunkle Hand,
die sie dem grünen Zweig entwand.
Sie sträubte sich und kämpfte, ach,
sie fiel zu Boden und zerbrach.
Von Dauer ist das Glück halt nicht.
Wer das nicht einsehn will, zerbricht.
“Wenn du einen Unterschied machen willst, dann komm zu uns!” Die Texter der Stellenanzeige haben ihn genauso falsch übersetzt wie die meisten anderen: den englischen Ausdruck “to make a difference”. Denn der bedeutet nicht “einen Unterschied machen“, sondern schlicht: etwas bewegen, bewirken.
Es ist einer dieser amerikanischen Glaubenssätze, die es in unser Denken geschafft haben. Denn darum geht es natürlich im Leben: etwas bewegen, verändern, gestalten und letzten Endes sich darin von den anderen abheben, unverwechselbar und einmalig sein, erkennbar und einzigartig in dem, was ich in meinem Leben leiste. Dazu gehören die entsprechenden Geschichten: der schmächtige, schüchterne Junge, der endlich anfing, an sich zu glauben und schließlich als Actionheld groß herauskam. Oder – mit etwas mehr Weltverbesserungstouch – die graue Maus von Journalistin, die ein korruptes Firmenimperium mit ihren Enthüllungen zum Einsturz bringt.
Ich gestehe nach reiflicher Überlegung: I make no difference. Ich bin auch nicht anders als die anderen. Ich fasse Vorsätze und halte sie nicht – wie die anderen. Ich bin genauso bequem wie die anderen, ich begehe Irrtümer und weiß gleichzeitig alles besser – wie die anderen, ich bin inkonsequent wie die anderen, ich bin vor allem an dem interessiert, was für mich gut ist. Weder bringe ich die neue Erkenntnis noch verkörpere ich den überzeugenden Lebensstil von morgen noch konnte ich bisher den Lauf der Welt verändern, denn das, was ich vielleicht wirklich besser weiß, kann ich nicht umsetzen, weil die Entscheider anders entscheiden, mit anderen Worten: Ich bin einer von acht Milliarden, ein “Jedermann”.
Das Verlockende an der amerikanischen Philosophie ist ihr visionärer Zug, ihre Kraft, Menschen für Träume zu begeistern und sie alles aus sich herausholen zu lassen. Ihre Problematik liegt darin, dass sie Selbstakzeptanz und Identität an eine außerordentliche Lebensleistung bindet – eine Leistung, die realistischerweise nur den Wenigsten gelingt. Was also bleibt von mir, wenn ich nichts geleistet habe, was sich als Stoff für eine Reportage, ein Buch oder einen Film eignen würde? Gibt es etwas außerhalb und unabhängig von dem, was ich tue, was es mir ermöglicht, mit erhobenem Haupt durch die Welt zu gehen? Die christliche Religion nennt es Gottebenbildlichkeit, die säkulare Neuzeit Menschenwürde. Keins von beiden lässt sich an der DNA von homo sapiens ablesen. Beides verdankt sich Glauben. Dem Glauben, der jedem Menschen seine Existenzberechtigung zuspricht. Am Ende eines Jahres, wo dies viel zu viel Menschen vorenthalten wurde, ist das nicht die schlechteste Erinnerung.
Was haben der Ochs und der Esel gemacht
in Bethlehems Stall, in der Heiligen Nacht?
Sie wussten ja nicht, was damals geschah,
sie guckten halt zu, sie war’n einfach da.
Es kam ohne Vorlauf, ganz ohne Advent,
sie war’n nach dem Fressen schon eingepennt,
da plötzlich ein Quäken, ein Weinen, ein Schrei,
und schon ist im Viehstall ein Kind mit dabei.
Der Ochs und der Esel, sie schauen sich an
und fragen sich, was das bedeuten kann.
Von Weihnachten haben sie niemals gehört,
kein Engelsgesang hat die Stille gestört.
Dann kommen zwei Leute bei ihnen vorbei,
und kurze Zeit später, da sind es schon drei.
Beraubt sie das Kind nun der Ruhe der Nacht
und werden sie um ihr Futter gebracht?
Der Ochs und der Esel, sie wissen noch nicht
von Gottessohn, Hirten und himmlischem Licht.
Sie sehen das Kind, seinen armen Beginn,
was Größeres kommt ihnen nicht in den Sinn.
Doch dann wird es still, und das Kindlein gibt Ruh,
den Viechern fall’n schnurstracks die Augen zu.
Sie füllen mit ihrem Schnarchen den Raum
und sehen seltsame Dinge im Traum.
Sie beschwören Emotionen
als ginge es um Liebe
zum Krippenkind
statt zum Festtagsfleisch
und Weihnachtswein
„Wollen Sie hier rein?” Die junge Frau bleibt in der Tür der S-Bahn stehen und dreht sich um. “Ja”, keucht die Alte und schleift ihr Wägelchen hinter sich her. Mit einem breiten Lächeln, das einige vorspringende Zähne entblößt, hievt sie ihr Gefährt über die Schwelle. Ob die Jüngere die Tür aufgehalten hätte, wenn sie wüsste, dass die Schriften im Ziehwägelchen ihr die Tür zum Paradies vor der Nase zuschlagen?
Acht Menschen sitzen im Café,
schau’n auf ihr Handy, wie ich seh‘,
doch stimmt die Zahl nicht, ich gesteh‘,
denn einer schaut auf den PC.
Wie ist die Welt voll Sucht, o weh,
so kommt’s mir, als ich weitergeh‘
und daraus diese Zeilen dreh‘,
ins Handy tipp ich sie – touché …
An anderer Stelle habe ich über eine spezielle Erfahrung mit der Deutschen Bahn in diesem Frühjahr berichtet, etwas später über die weitere Entwicklung in diesem Fall. Auf dem Rückweg von der Arbeit war wegen einer Baustelle Schienenersatzverkehr eingerichtet. Der Bus blieb dann allerdings liegen, woraufhin ich für mehrere Mitreisende ein Taxi organisierte und auch bezahlte. Die Rechnung stellte ich optimistisch der Bahn in Rechnung.
Kurz darauf bekam ich die schriftliche Aufforderung, ich möge meine geplante Verbindung nach Amsterdam mitteilen. Amsterdam? In der Taxi-Gruppe waren auch zwei Niederländerinnen gewesen, die dringend die letzte Verbindung des Tages nach Amsterdam erreichen mussten. Ich teilte dem Servicecenter Fahrgastrechte schriftlich mit, es handle sich um ein Missverständnis. Vier Wochen später erhielt ich exakt den gleichen Brief noch einmal. Ok, auf diesem Weg würde das nichts werden. Ich griff zum Telefon. Nach etwa zwanzig Minuten hatte eine freundliche, ältere Mitarbeiterin die Komplexität des Falles begriffen (ich habe als Inhaber eines 49-EURO-Tickets keinen Anspruch auf Entschädigung) und mir am Ende zugesichert: „Das geht klar. Sie bekommen Ihre Entschädigung.“ Anfang Juli meldete sich das Servicecenter, um mir mitzuteilen, die Bearbeitung der Fälle verzögere sich derzeit aufgrund eines Hochwassers und „einer angespannten Betriebsqualität“ (was immer das heißen soll). Eine Woche später lag das nächste Schreiben im Briefkasten, das meine Ansprüche fein säuberlich tabellarisch auflistete und saldierte: 0,00 Euro. An dieser Stelle war ich fast soweit aufzugeben. Allein mein Gerechtigkeitsempfinden trieb mich zu einem letzten Versuch. Ich schrieb, es war inzwischen der 3. September, ans Servicecenter: „Ich weiß nicht, ob eine KI diese Fälle bearbeitet, die abseits der gängigen Parameter blind ist, oder ob Ihre Mitarbeiter nicht in der Lage oder befugt sind, auf einen Fall einzugehen, der abseits der üblichen Systematik liegt. In jedem Fall einmal mehr eine traurige, enttäuschende und zutiefst frustrierende Erfahrung mit der DB.“ etc.
Am 29. Oktober, acht Monate nach dem Vorfall, ging ein Schreiben des Servicecenters Fahrgastrechte bei mir ein: Wieder dieselbe Tabelle, aber diesmal stand im Saldo unter „Entschädigung“: 25,90 EUR. Die Bahn hatte mir exakt den Betrag erstattet, den ich für die Taxifahrt von sieben Personen verauslagt hatte.
Nein, ich werde jetzt nicht anfangen zu rechnen. Mein Stundenlohn abzüglich des Portos für drei Briefe wäre lächerlich. Aber es ist ein gutes Gefühl, am Ende gesiegt zu haben. Oder sagen wir besser: zu erleben, dass die Gerechtigkeit siegt. Wäre sie nur immer für 25,90 EUR zu haben …
Die Blätter tanzen mit dem Wind
sie wirbeln kreuz und quer
sie jagen hoch, sie stürzen jäh
sie schießen hin und her
Ich trete mutig in den Wind
und biet ihm Stirn und Bauch
und wär’n noch Haare auf dem Kopf
so tanzten sie jetzt auch
Noch sind Haare da, aber der Reim war einfach zu verführerisch …