Im Herbst 2022 erscheint auf dem Display meines Autos die verheißungsvolle Anzeige: „In 1200 km wird der Anlasser gesperrt.“ Gut, dass ich gerade nicht in Süditalien unterwegs bin, sondern im Berufsverkehr auf der A5. Der Automechaniker meines Vertrauens tauscht für schlappe 600.- EUR den Additivtank aus und die Kiste läuft wieder. Kurze Zeit später dieselbe Anzeige. Ich habe weder Zeit noch Lust, schon wieder in der Werkstatt aufzuschlagen. Da ich wenig fahre, gehen wieder einige Wochen ins Land, bis ich mich dabei ertappe, vor jeder Fahrt nachzurechnen, ob ich damit noch … ich setze mich zum Skifahren ab (mit der Bahn), nicht ohne zuvor mein Auto in der Werkstatt abzugeben. Auf der Piste erreicht mich der Anruf: Die Einheit zur Abgasreinigung muss komplett getauscht werden (1800.- EUR). Wie günstig so ein Skipass ist. Ich verspreche, mich nach dem Wochenende zu melden. Mein Auto hat mir schon gute Dienste geleistet, ich fahre sehr gern damit (soweit mich mein ökologisches Gewissen lässt), und am nachhaltigsten wäre es, statt ein aufwändig produziertes Neufahrzeug anzuschaffen das alte noch ein paar Jährchen laufen zu lassen – zumal ich mit einem Verbrauch von 4,5l noch nie sparsamer unterwegs war. Doch leider wird es nicht bei dieser Reparatur bleiben. Nach 180.000 km muss der Zahnriemen ersetzt werden (1000.-) – mit dem jetzigen Kilometerstand reicht das gerade noch für einmal Neapel und zurück. Außerdem müssen die vorderen Bremsen gemacht werden (600.-) und – niente Neapel – ein Satz neuer Sommerreifen (500.-) ist fällig. Und das Ganze ohne Gewähr, dass mein Geldbeutel dann für eine Weile nicht mehr strapaziert wird. Wie schade.
Der Automechaniker meines Vertrauens bietet mir 2000.-, max. 2200.- für ein Auto, das eigentlich noch super läuft. Ich bin persönlich beleidigt und lasse eine Bewertung im Internet vornehmen. Die kommt bei über 6000.- heraus und schlägt mir gleichzeitig eine Werkstatt vor Ort zur Bewertung vor. Eine halbe Stunde dauert der Check. 2000.- , sagt der Verkäufer mit dem ältesten Trick der Welt, aber weil ich ihm sympathisch sei: 2500.-. Ein Fahrzeug in diesem Zustand sei auf dem Binnenmarkt nicht mehr verkäuflich und ginge direkt in den Export. Ich erinnere mich an das Kärtchen eines (vermutlich libanesischen) Autohändlers, das ich aufgehoben habe. Ich rufe an, eine halbe Stunde später klingelt es. Vor der Tür steht ein Syrer, tätig für einen libanesischen Autohändler. Ich mache den Motor an, er geht einmal um das Fahrzeug herum. Der Defekt, den ich ihm schildere, scheint ihn nicht sonderlich zu interessieren. Einen Moment brauche er wegen des Preises und verschwindet in seinem Auto. Zwei Minuten später klingelt es wieder. 4000.- hatte ich dreist gefordert, 3.300.- zahlt er mit einem dicken Bündel Scheine cash on the nail. Brief, Schein und Kennzeichen nimmt er mit zur Abmeldung. Zwei Stunden später ist er mit der Bescheinigung zurück und bekommt von mir die Schlüssel ausgehändigt. Als er mit meinem Auto davonfährt, werden meine Augen vom scharfen Wind feucht.
Wo MEIN Auto hingeht? Afrika, wahrscheinlich Südafrika, hat er gesagt. Vielleicht können die dort auch etwas mit dem typenspezifischen Dachträger anfangen, den ich in den Kofferraum gelegt habe. In den nächsten dreißig Jahren.