Phlegräische Felder in Nahost

Nun ist der Vulkan in Nahost ausgebrochen, nicht in Neapel. Und die Metapher darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich nicht um eine Naturkatastrophe, sondern zu 100% um etwas Menschengemachtes handelt: Menschliches von der übelsten Sorte. Die Solidaritätsadressen an Israel widern mich trotzdem an, weil sie verlogen sind. Denn sie schweigen vom Schweigen der Weltgemeinschaft angesichts des stillen Genozids an den Palästinensern, den die Regierung Netanjahu seit Jahren peu à peu vorantreibt – und andere Regierungen vor ihr: indem sie dem ohnehin kärglichen Lebensraum der Palästinenser in Salamitaktik Stück um Stück Land abschneidet, ja stiehlt – und sich dabei kaltschnäuzig und skrupellos über völkerrechtlich bindende Vereinbarungen hinwegsetzt. Israel kann machen, was es will: Mehr als eine Protestnote hat es nicht zu befürchten – am allerwenigsten von Deutschland. 

Die barbarischen Terrorakte werden Netanjahu nicht ungelegen kommen. Während die Hamas nun möglicherweise den Untergang des eigenen Volkes besiegelt hat, wird ihn nun erst recht niemand mehr an dem hindern, was er schon die ganze Zeit am liebsten tun möchte: die Palästinenser platt machen.