„Schöner Tag!“

Es gibt Leute, die stört die Mücke an der Wand. Ich gestehe: Wenn es um Sprache geht, gehöre ich auch zu dieser Spezies.

Ich habe meine Waren aufs Band gelegt und bezahlt. Die Kassiererin lässt das Rückgeld coronakonform in meine Hand fallen. „Schöner Tag!“ Bei aller Nettigkeit bin ich jetzt doch ratlos. Was soll das heißen: „Schöner Tag“? Wenn es die Kurzform eines Grußes sein sollte – „Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!“ -, hätte ich „Schönen Tag!“ erwartet. Aber wovon ist „Schöner Tag!“ eine Abkürzung? Soll ich nun nach Tagesform etwa zustimmen – „Ja, heute ist tatsächlich ein schöner Tag!“ – oder widersprechen – “Nein, heute ist ein Sch…tag!”?

Muss ich mich beim Blick über die eigene Schulter kleinlich finden? Sollte ich mich nicht eher freuen über die nette Geste? Ja, und doch ärgert mich die Nachlässigkeit, mit der hier mit Sprache umgegangen wird. Nicht einmal, sondern beinahe standardmäßig.

Aber es geht noch doller: Beim heutigen Einkauf: “Ein schöner Tag Ihnen!”
Schöner Tag für die deutsche Sprache …